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Österreich: 29. Oktober 2008
Mc Zahn verliert den Biss: Deutscher Diskonter ging pleite

Staatsanwalt ermittelt wegen Betrugsverdacht und Untreue.

Lächeln sei ja die eleganteste Art, dem Gegner die Zähne zu zeigen. Das siegessichere Lächeln, begleitet von markigen Sprüchen wie „Zahnersatz zum Nulltarif“ ist der deutschen Mc Zahn AG nun endgültig vergangen. Gemunkelt wurde schon lange, nun ist es amtlich, und die Medien berichteten ausführlich: Mc Zahn ist in die Insolvenz geschlittert und zudem mit dem Vorwurf der Urkundenfälschung und des Betruges konfrontiert.

Der Markt sollte aufgemischt werden
Mc Zahn wollte in Deutschland mittels Investoren 400 Zahnarztpraxen eröffnen und mit Billigstzahnersatz aus China den Markt „aufmischen.“ Sechs Franchise-Praxen waren bis dato in Betrieb, ob diese weitergeführt werden, hängt von Entscheidungen des Masseverwalters ab. Sicher ist, dass von Patienten bereits geleistete Zahlungen in die Konkursmasse wandern und Patienten davon nicht mehr viel sehen werden. Im Falle einer Fortführung der Praxen müssen sich die Patienten auf lange Wartezeiten einrichten! Mc Zahn habe lt. Medienbrichten noch versucht, den Markennamen und Gelder zu einem Zeitpunkt, als sich die Insolvenz des Unternehmens längst abzeichnete, auf einen Anteilseigner zu übertragen. Mc Zahn sollte zu diesem Zweck in „BilligZahn“ umbenannt werden.

Zahnersatz ist und bleibt ein vom Zahntechniker hergestelltes, individuelles und sensibles Medizinprodukt und ist daher keine billige Industrieware. Zahnersatz ist auch eine Vertrauensangelegenheit des Patienten gegenüber seinem Zahnarzt und dem Zahntechniker.

Mag sein, dass dem einen oder anderen Patienten die Vorteile heimischen Zahnersatzes nicht bewusst sind (wenn er ausschließlich den Preis heranzieht), wer aber logisch nachdenkt, dem müsste klar sein, wieviel Individualität und gegenseitige Abstimmung während eines Behandlungsprozesses erforderlich sind. Wie soll eine soche individuelle Abstimmung funktionieren, wenn der „Zahntechniker“ in China sitzt? Es müsste eigentlich jedem einleuchten, dass es selbst im Zeitalter von Internet und Expressflügen irgendwo Grenzen gibt. Den chinesischen Zahntechniker berührt es nämlich nicht, wenn sein Werkstück im Mund eines 8.000 km entfernten Patienten nicht passt. Muss der Besteller eben selber sehen, wie der damit fertig wird.

Wenn also der Zahnarzt weder den Preisvorteil weitergibt noch den Patienten informiert, dass er chinesischen Zahnersatz verarbeitet, dann führt er ihn vorsätzlich hinter’s Licht. Sollte der Patient einmal drauf kommen, dass er betrogen wurde, ist das Vertrauen zu diesem Zahnarzt verloren. Und gerade dieses Vertrauen ist das wichtigste Gut eines Arztes!

Kostenfaktor Zahnarzt
Der mit Abstand größte Kostenfaktor bei Zahnbehandlungen ist die Arbeit des Zahnarztes selbst. Auch wenn dieser also billigen Zahnersatz aus China verwendet (wo Material und Lohnkosten einen Bruchteil unseres Niveaus ausmachen), reduzieren sich die Kosten für Patienten dennoch nur unwesentlich.
Um also den Kostenfaktor Zahnarzt zu reduzieren, hat sich Mc Zahn ein fragwürdiges Konzept zurechtgelegt: Man heuert Zahnärzte an, die zu wenig Arbeit haben, verpflichtet sie mittels eines Vertrages und optimiert durch Massenabfertigung und chinesische Billigstware den Profit für sich. Welche Zahnärzte es sind, die sich für ein Dumpingprojekt knebeln lassen, kann sich jeder selber ausrechnen! Lange hat das System nun nicht funktioniert, das wirtschaftliche Ende für Mc Zahn folgte prompt.

Hartlauer will in Österreich Zahnkliniken errichten
Der Foto- und Optik-Riese Hartlauer möchte in Österreich ins Zahnarztgeschäft einsteigen, verfolgt jedoch eine andere Strategie, um die Zahnarztkosten zu reduzieren. Hartlauer würde eigene Zahnkliniken errichten und Zahnärzte fix anstellen. Das würde bedeuten, dass der Zahnarzt ein Mitarbeiter von Hartlauer mit Monatslohn ist. Ich kann mir schwer vorstellen, welche Top-Zahnärzte nach 12 – 15 Jahren harter Ausbildungszeit ein Anstellungsverhältnis anstreben und Erfüllungsgehilfen eines Großinvestors sein möchten? Sicher nicht die Besten. Was bleibt sind verunsicherte Patienten. Letztendlich wird durch solche Vorhaben die Qualität der Zahnheilkunde und das Image der Zahnärzte langfristig Schaden nehmen.



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