DIE LEHre von morgen - neues berufsBILD, neuer lehrplan

Das neue Berufsbild kommt nach langem Widerstand der Arbeitnehmerseite doch. Nach der Einigung, die Ende 2017 zustande kam, wurde das Konzept der Bundesinnung der Zahntechniker übernommen. Ab Anfang Juni werden junge Zahntechniker dann nach dem neuen Modell ausgebildet. Ein Überblick über die Lehre neu.

Am Ende gab es doch noch eine Einigung. Im November zeichnete sich ab, dass Arbeiterkammer und Gewerkschaft dem Vorschlag der Bundesinnung, die Lehre für Zahntechniker ganz neu aufzustellen, zustimmen würden. Davor hatte es lange so ausgesehen, als würden die Arbeitnehmervertreter sich weiter gegen die Neuausrichtung sperren.

„Wir freuen uns, dass die Neuerungen noch heuer in Kraft treten werden“, sagt Bundesinnungsmeister Richard Koffu, „lange sah es so aus, als würden die Arbeitnehmervertreter die Reform weiter blockieren.“ 

Erst nach einem Gespräch mit dem damaligen Wirschaftsminister Harald Mahrer, so Koffu, kam wieder Bewegung in die Angelegenheit. Durch den Druck aus dem Wirtschaftsministerium stimmten die Arbeitnehmervertreter einerseits doch noch dem Kompromissvorschlag der Innung zu, andererseits wurde es durch die Intervention des Ministers möglich, dass die Neuregelung bereits im Juni wirksam wird – normalerweise haben Änderungen wie diese eine Vorlaufzeit von mindestens einem Jahr.

Auch der Lehrplan für die Zeit, die Lehrlinge in der Berufsschule verbringen müssen, wurde nach Gesprächen im Unterrichtsministerium adaptiert. Dort werden digitale Kenntnisse und Fertigkeiten jetzt bereits von Anfang an gelehrt. Außerdem wird die Berufschulzeit im vierten Lehrjahr von fünf auf acht Wochen erhöht, wie es gesetzlich vorschrieben ist. Aus der Sicht der Bundesinnung macht auch dieser Schritt Sinn.

„Für unseren Beruf ist das ein wichtiger Schritt Richtung Zukunft“, sagt Bundesinnungsmeister Richard Koffu, „von der neuen Ausbildung mit dem klaren Fokus auf digitale Fertigkeiten werden am Ende alle profitieren – die Betriebe, die ausbilden, die Lehrlinge, die auf die Zahntechnik von morgen vorbereitet werden und damit der ganze Berufstand.“

Die Neuregelung tritt mit 1. Juni 2018 in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt können Betriebe ihre Lehrlinge im neuen Modell anmelden.

Die neue Lehre besteht, wie berichtet, aus zwei Teilen. Im Grunde ähnelt die Gliederung bespielsweise dem System Handelsschule und Handelsakademie. Zunächst werden Lehrlinge für drei Jahre zu Zahntechnischen Fachassistenten ausgebildet. In dieser Phase lernen sie Grundlagen der Zahntechnik in Theorie und Praxis. Schwerpunkte gibt es unter anderem in den Bereichen Anatomie, Kommunikation mit Kunden und Hygiene. Dabei stehen weiterhin analoge, technische Fertigkeiten im Zentrum. Aber auch digitale Methoden, werden den Lehrlingen bereits in diesem Abschnitt vermittelt. Diese werden ihnen parallel auch in der Berufsschule näher gebracht werden. In Lehrbertrieben mit entsprechender Infrastruktur werden die Lehrlinge ohnehin laufend mit digitalen Prozessen zu tun haben. Diese Phase der Ausbildung können Lehrlinge in allen Labors absolvieren – also auch in jenen, die noch nicht über eine digitale Ausstattung verfügen.

Nach drei Jahren legen Nachwuchstechniker dann eine Prüfung ab, mit der sie das erste Modul abschließen. Danach gibt es für junge Talente die Möglichkeit, in einem vierten Jahr ganz gezielt die Arbeit mit digitalen Methoden zu lernen: das Modul „Digitale Fertigungstechniken / Digitaler Workflow“. 
In den zwölf Monaten, die dieser Abschnitt dauert, werden die Jungtechniker und Jungtechnikerinnen fast ausschließlich im Arbeiten mit digitalen Technologien geschult und etwa ihre Kenntnisse über Datenbanken, Datenschutz und Netzwerktechnologien weiter vertiefen.

Am Lehrplan stehen CAD/CAM, 3D-Druck, komplexe digitale Planungen und Anwendungen aus den Bereichen herausnehmbarer beziehungsweise festsitzender Zahnersatz sowie Kieferorthopädie. So wird der Nachwuchs in diesem Spezialisierungsjahr sozusagen zum Zahntechniker 4.0 ausgebildet.

Einer der großen Vorteile, so die Bundesinnung, sei, dass die ersten drei Jahre in jedem Labor absolviert werden können. Abgesehen davon rät die Innung ohnehin allen Laborbetreibern des Landes, digital aufzurüsten. „Es wird den Beruf Zahntechniker auch in Zukunft geben“, so Bundesinnungsmeister Koffu, „aber er wird grundsätzlich anders sein als heute. Alle, die jetzt den Anschluss verpassen, werden es schwer haben, mit ihren Betrieben bestehen zu können.“

Die Aufgabe der Bundesinnung, so Koffu, sei es, dem digitalen Wandel Rechnung zu tragen und daran zu arbeiten, dass Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten daran angepasst werden. „Wir werden auch in Zukunft alles daran setzen, den bestmöglichen Rahmen zu schaffen – sofern Sozialpartner und Regierung mitspielen. In jenen Bereichen, in denen es nur an uns liegt, wie etwa in der Akademie in Baden, sind wir schon heute bestens ausgestattet und auf die Zukunft vorbereitet“, sagt Koffu. Außerdem hoffe er, so der Bundesinnungsmeister, dass mit dem neuen Modell vielversprechende junge Menschen angesprochen werden können. 
„Dass allein eine höhere Bezahlung mehr und bessere Lehrlinge bringt, wie es die Arbeitnehmervertreter offenbar annahmen, als sie die viel zu hohe neue Satzung der Lehrlingsentschädigung durchboxten, hat sich alles andere als bewahrheitet“, sagt Koffu, „ein zeitgemäßes, attraktives Berufsbild bis hin zu akademischen Abschlüssen wird das eher können.“

INTERVIEW ZAHN ARZT, NR.9, SEPTEMBER 2018: „ES WIRD AUCH ZUM ABBAU VON ARBEITSPLÄTZEN KOMMEN“

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Interview mit Richard Koffu, Bundesinnungsmeister der heimischen Zahntechniker, über die zukünftigen Herausforderungen eines Berufes, in dem er seitfast vier Jahrzehnten tätig ist.

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Editorial Rot&Weiss 3/2018: BEI 4.0 IST NOCH NICHT SCHLUSS

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Die Zeiten haben sich geändert. Und vieles von dem Neuen um uns herum ist digital. Das merken wir nicht nur als Zahntechniker im Arbeitsalltag, weil immer mehr zahntechnische Arbeiten mit neuen, mit modernen digitalen Mitteln angefertigt werden können und immer mehr Labore diese in ihre Ausstattung integriert haben. Wir haben es in den vergangenen Wochen und Monaten auch als Unternehmer gemerkt, die ihre Firmen und Prozesse ein Stück umgestalten mussten, um der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der EU zu entsprechen.

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ORF Sendung konkret vom 21.12.2017 - Konformitätserklärung

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Der Beiträg kann nun direkt hier aufgerufen und angesehen werden

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Editorial Rot&Weiss 2/2018: WAS SICH ALLES TUT

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In unserem Beruf verändert sich gerade einiges. Einerseits haben sich die Mittel, mit denen Zahnersatz hergestellt wird, ganz klar in Richtung digital verschoben. Unser Alltag als Zahntechniker sieht heute in vielen Laboren schon ganz anders aus als vor einem Jahrzehnt. Viele Kolleginnen und Kollegen haben digitale Methoden bereits in ihren Alltag integriert. Und das ist gut so. Denn nur Betriebe, die jetzt den Anschluss nicht verpassen, werden auch in Zukunft erfolgreich sein.

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DSGVO - 25.05.2018

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Die Bundesinnung der Gesundheitsberufe/Zahntechniker hat für ihre Mitgliedsbetriebe branchenspezifische Unterlagen und Muster zur EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erarbeitet. 

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Noch nicht genug?

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Wieder wurde eine neue Satzung der Lehrlingsentschädigung gegen den Widerstand der Bundesinnung der Zahntechniker durchgesetzt. Dabei gingen die Lehrlingszahlen bereits seit der letzten Erhöhung dramatisch zurück.

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Editorial Rot&Weiss 1/2018: ÜBER SCHNELLE INFOS

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Das Tempo, mit dem sich Nachrichten verbreiten, hat zugenommen. Heute erfahren wir von allem Möglichen ganz unmittelbar – auf unseren Notebooks, Tablets und vor allem unseren Smartphones. Nur leider ist das in sehr vielen Fällen alles andere als fundiert – weder stimmt unbedingt, was als Nachricht verkauft wird, noch haben manche, die sich sehr laut äußern, eine Ahnung, wovon sie sprechen. Mit dem Tempo ist die Qualität der Inhalte leider nicht mitgewachsen.

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ORF Sendung Bewusst Gesund vom 27.01.2017 - 3D Scanner ersetzt Abdruck

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Der Beiträg kann bis zum 02.02.2018 abgerufen werden

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Die Lehre von morgen – neues Berufsbild, neuer Lehrplan

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Editorial Rot&Weiss 6/2017: WIE ES WAR

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Dieses Jahr, man muss es so sagen, hat für uns Zahntechniker nicht sehr erfreu- lich begonnen. Im Bundeseinigungsamt gab es zwar eine Einigung über eine neue Lehrlingsentschädigung – nur wurde die Position der Bundesinnung nicht angehört. Die neue Satzung ist schließlich so absurd hoch ausgefallen, dass klar war, welche Fol- gen sie haben musste. Und mittlerweile ist es genauso gekommen, wie wir es befürchtet hatten: In Österreich gibt es immer weniger Lehrlinge in zahntechnischen Labors. Viele Betriebe wollen sich keine mehr leisten, an- dere könnten nicht, selbst wenn sie wollten. Die Lehrlingszahlen sind heuer um bis zu zwei Drittel zurückgegangen. Gerade heute, wo sich der Beruf so gravierend wandelt, wäre es aber umso wichtiger, vielversprechende junge Menschen so auszubilden, dass sie und die Zahntechnik eine gute Zukunft haben.

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Editorial Rot&Weiss 5/2017: WIE IM GROSSEN SO IM KLEINEN

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In Österreich ist in den vergangenen Monaten viel politisiert worden. Jetzt sind die Natio- nalratswahlen geschlagen und demnächst wird sich eine neue Regierung formieren. Es kann sein, dass es bis dahin noch zähe Ver- handlungen gibt. Jeder will seine Themen im Regierungsprogramm unterbringen, jeder möglichst viele seiner Vorstellungen umsetzen. Und oft geht es dabei nicht so sehr um die Sa- che, sondern vielmehr darum, alte Strukturen zu erhalten und seine Klientel zu bedienen.

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Editorial Rot&Weiss 4/2017: ABWARTEN GEHT NICHT

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Die Zeiten haben sich geändert. Zahntechnik ist nicht mehr, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten war. Darüber brauchen wir uns keine Illusionen machen. Einfach nur solides Handwerk zu liefern, ist längst zu wenig. In den kommenden Jahren wird sich das noch weiter zuspitzen. Manche Arbeiten, die wir heute noch von Hand machen, wird es in Zukunft nur noch maschinell gefertigt geben, bei einigen ist das bereits der Fall. Die Zahntechnik befindet sich wie viele andere Branchen im Umbruch.

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Editorial Rot&Weiss 3/2017: AUS PRINZIP DAGEGEN

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In Österreich haben in Sachen Arbeit, Ausbildung und Gehälter alle Seiten ein Wort mitzureden. Das ist gut so. Aber nicht immer funktioniert die Sozialpartnerschaft wie sie sollte: nämlich der Sache verpflichtet, mit den Interessen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Fokus. Leider sind wir momentan damit konfrontiert, dass es nicht gut funktioniert. Nachdem die neuen Tarife für Lehrlinge ohne unser Zutun absurd hoch festgesetzt wurden, legen sich Gewerkschaft und Arbeiterkammer nun auch noch in Sachen neues Berufsbild quer. Unser Entwurf sieht vor, Lehrlinge zunächst in drei Jahren analog auszubilden und ihnen bereits digitale Grundkenntnisse zu vermitteln.

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